Im Blindflug (Spieltag 22-25)

Man könnte denken, ich meine die Mannschaft mit dem Titel dieses Posts, aber keine Sorge, so vergrätzt bin ich noch nicht. Im Blindflug war ich diesmal selber unterwegs.

Über die Spieltage 22-24 deckt sich der Mantel des Schweigens in diesem Saisontagebuch, weil ich nichts dazu zu sagen hatte. Das hat nur bedingt etwas mit der Leistung und den Ergebnissen zu tun, sondern hauptsächlich damit, dass ich keines dieser Spiele gesehen oder auch nur gehört habe. Wie es manchmal so geht im Leben, taucht plötzlich eine Umleitung auf und man bewegt sich für ein paar Wochen auf einer anderen Fahrspur, die nichts mit Fußball zu tun hat.

Und eh man sich versieht, hat man drei ganze Spieltage verpasst. Nun ja, normalerweise hätte ich die Spiele zu irgendeinem Zeitpunkt im Re-Live angeschaut. Dass ich das diesmal nicht getan habe, ist wiederum tatsächlich der Leistung und den Ergebnissen geschuldet. So viel Erfolgsfan bin ich dann doch, dass ich nicht das Bedürfnis verspüre, mir ein 0:5 zwecks Fehleranalyse re-live anzusehen.

Das Spiel in Mainz habe ich dann wieder am Radio verfolgt, was man meinen Fingernägeln immer noch ansieht. Das Anschauen hole ich irgendwann noch mal nach, aber jetzt will ich erst mal wieder ins Stadion. So viel Beunruhigendes habe ich in den letzten Wochen gelesen und gehört über unsere Leistung, dass ich unbedingt mal wieder mit eigenen Augen und vor Ort sehen möchte, wie wir spielen und was nicht läuft.

Wie glücklich trifft es sich da, dass heute zwei Dauerkarten eines Bekannten in meinem Lieblingsblock frei wurden. Unterrang, Gegengerade, freie Sicht und Flutlicht, das ist es, was ich jetzt brauche. Per Überblick zum Durchblick. 3 Insights für mich, 3 Punkte für die Borussia, das wäre doch was.

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#dabeisein Runde 3: Curling – ein Wimmelbild.

#dabeisein Runde 3: Curling – ein Wimmelbild.

Curling war eigentlich die erste Sportart, die auf meiner Liste stand, aber am Ende hat es doch 2 1/2 Jahre gedauert, bis ich es jetzt endlich geschafft habe, ein Event zu besuchen. Wenn man nicht gerade in Hamburg oder im Allgäu wohnt, ist es gar nicht so einfach, in Deutschland zu einem Curling-Turnier zu gehen. Die Turniere, die meist 2-3 Tage dauern finden natürlich dort statt, wo die Clubs ansässig sind. Die PR hält sich in Grenzen, die Terminkalender im Netz sind je nach Verein mäßig gepflegt und man muss schon ein bisschen mehr googeln und auch ein bisschen Glück haben, dass man von einem Turnier nicht erst erfährt, wenn es vorbei ist und die Siegerfotos gepostet werden.

Nachdem es zwei Jahre lang nicht mit der deutschen Meisterschaft geklappt hat, haben wir es aber immerhin dieses Jahr geschafft, an einem der zwei Veranstaltungstage beim Radschläger-Cup in Düsseldorf vorbeizuschauen. Dass Düsseldorf einen Curling-Club hat, habe ich natürlich auch erst durch dieses Projekt erfahren. Es freut mich jedoch doppelt, denn so habe ich zum einen ein Schnupperkurs-Angebot vor der Haustür, falls mich die Lust überkommt, es mal selber auszuprobieren, zum zweiten hatte ich so die Chance, mal das Eisstadion an der Brehmstraße zu besuchen – eine Kultstätte, die ich bislang auch nur von außen gesehen hatte.

2019-03-10 10.01.25

In Sachen Zuschauerzahl haben wir in dieser Sportart auf jeden Fall die Untergrenze von allem erreicht, was ich bislang besucht habe. Die Frage nach Eintritt oder Kasse hatte sich sehr schnell erledigt, denn es gab einfach niemanden, der so etwas benötigt hätte. Alle am Curling Interessierten standen auf dem Eis und spielten. Bis auf ein paar hereingewehte Spaziergänger, die vom Lärm angezogen mal ein paar Minuten hineinschauten, gab es niemanden, der zusah. Die maximale Zuschauerzahl – am späten Nachmittag kamen noch ein paar Leute – betrug 9 Personen. 7  von diesen waren erkennbar Familienangehörige. Die restlichen beiden waren der beste Ehemann und ich.

Es war befremdlich, die einzigen Zuschauer zu sein. Einige Teilnehmer schienen verdutzt, unbekannte Gesichter zu sehen, und ich fühlte mich tatsächlich kurzzeitig unbehaglich, so als ob ich bei einer privaten Party den Gatecrasher spielte. Es kam aber keine Gastgeberin, um uns hinauszukomplimentieren, also blieben wir und versuchten, so gut wie möglich zu erfassen, was auf dem Eis passierte. Das war gar nicht so einfach.

Ich bin seit vielen Jahren Curling-Fan und freue mich immer sehr, wenn der Sport mal wieder im TV zu sehen ist. Das ist natürlich immer bei Olympia der Fall – dort ja fast schon Kultsportart -, aber meine liebste Erinnerung ist der EM-Titel des deutschen Teams 2002, als ich Spiel für Spiel am Bildschirm klebte und mitfieberte. Dass ich durch das viele Zuschauen am Fernseher den Spielverlauf und die Regeln schon ziemlich gut kenne, war heute sehr hilfreich, denn der erste spontane Unterschied zwischen dem Fernseh- und dem „Stadion“-Erlebnis war das unglaubliche Gewimmel auf dem Eis. Es gab sechs Bahnen, auf denen gleichzeitig gespielt wurde, das heißt 48 Spieler*innen und ihre Steine waren gleichzeitig in Aktion. Die Bahnen waren viel näher nebeneinander und auch nicht so schön durch Kunststoffbanden voneinander abgegrenzt, wie man es im TV sieht. Mir war nicht zu jedem Zeitpunkt klar, welche Steine zu welcher Bahn gehörten. Auch die Mitglieder eines Teams waren nicht immer klar zu identifizieren, aber da hatte ich mich nach einer Weile wenigstens orientiert. In mindestens einem Fall waren auch die Steine eines Teams nicht einheitlich in ihrer Grifffarbe. Dadurch konnte ich nicht sehen, wessen Steine im Haus besser platziert waren und die Dramaturgie dieser Partie entging mir völlig.

Überhaupt: die Dramaturgie. Curling im Fernsehen, das ist für mich eine Mischung aus Meditation, Konzentration und Spannungsbogen, die sehr fasziniert. Mit Schach wird es verglichen, mich erinnert es oft auch an Billard, doch mir scheint, der Sport wirkt wohl auch durch die Fernsehbilder so getragen und fokussiert, wo die Nahaufnahmen, der schmale Bildwinkel, die Draufsicht aufs „Haus“ und nicht zuletzt auch der Ton, der den Lärm drumherum ausfiltert, den Zuschauenden die Konzentration auf ein einzelnes Spiel ermöglichen und so eine Ruhe suggerieren, die ich heute vor Ort so gut wie gar nicht erlebt habe. Nur ein kleiner Anklang des Fernsehfeelings kam auf, als am Ende der ersten Session alle Spiele bis auf eines beendet waren und so tatsächlich der Fokus nur noch auf dieser einen Partie lag. Den Rest der Zeit schweiften mein Blick und meine Aufmerksamkeit permanent von Bahn zu Bahn, von vorne nach hinten, von rechts nach links und meist einem gleitenden Stein hinterher, egal zu welcher Partie dieser nun gehörte. Wie es wo stand, bekam ich kaum mit, erst sehr spät entdeckte ich die kleinen manuellen Anzeigetafeln an jeder Bahn, wo man wenigstens den Spielstand erkennen konnte (wenn man denn wusste, welches Team rechts und welches links angezeigt wurde). Das Ergebnis des gesamten Turniers konnte ich eh nicht abschätzen, da wir den ersten Tag nicht gesehen hatten und es keinerlei Information gab, wie diese Partien ausgegangen waren. (Man merkte auch hier, dass wohl niemand mit interessierten Dritten rechnet.) Es gab vier Runden, in denen die Teams in unterschiedlichen Konstellationen gegeneinander spielten, nicht jeder gegen jeden, dafür waren es zu viele Teams, aber es gab anscheinend auch kein Finale oder zumindest keines, das als solches erkennbar gewesen wäre.

Für mich war das jedoch kein Problem, denn eine Curling-Partie hat ja in jedem End kleine dramatische Momente, in denen man ganz unabhängig vom Gesamtergebnis in den Bann gezogen wird. Wir dieser eine Stein die Linie halten? Passt die Länge? Eckt er an oder findet er die Lücke? Es gab auch ohne Überblick genug zu sehen und mitzufiebern.

Die Partie, die ich noch am besten im Auge behielt, endete mit zwei dramatischen Ends, in denen zunächst das junge (ich glaube tschechische) Team einen 5:9-Rückstand im vorletzten End ausglich, um dann im letzten End doch noch zu verlieren, als der Düsseldorfer Skip den letzten Stein gekonnt mitten ins Haus legte und so den entscheidenden Punkt holte. Dass dieses Team damit auch das Turnier gewonnen hatte, erfuhr ich dann am späteren Abend.

Leider war der Vormittag viel zu schnell und durch die fast gleichzeitig endenden Partien auch ziemlich abrupt vorbei. Die Gesamtdramaturgie eines Turniers mit Halbfinals und Finale ergibt sich in diesem Spielmodus nicht. Auch hier zeigt sich wieder, dass es mehr um die Spielenden geht, die alle noch mehr oder weniger lange Heimfahrten haben und so nicht unnötig Zeit mit Herumsitzen und dem Zuschauen bei einem Finale verbringen. Alle Partien endeten innerhalb eines überschaubaren Zeitfensters, man packte zügig Steine und Equipment ein (die Eisbahn wurde für anderes gebraucht) und verschwand zum Umziehen und der Siegerehrung. Wir zwei Zuschauer trollten uns und wärmten uns bei einem feudalen portugiesischen Mittagessen wieder auf.

Wie lautet mein Fazit zum Curling? Alles anders, so viel ist klar. Der Kontrast zwischen dem, was ich aus dem Fernsehen kenne, und dem Geschehen in der Halle war riesig. Aber schön war es auch – verwirrend, laut und hektisch, spannend und immer noch faszinierend. Meditativ und fokussiert? Eher nicht. Und doch: diese Steine ziehen mich einfach in ihren Bann: ihr gleichmäßiges Gleiten, das sanft kratzende Geräusch auf dem Eis und – seit heute – das Vibrieren der Eisfläche unter ihnen. Wenn man am Rand der Eisfläche steht und die Hand auf die Bande legt, spürt man, wie der Stein vorbeigleitet, sogar wenn dieser drei Bahnen entfernt ist. Das Gefühl ist irgendwie elektrisieren und einfach wundervoll. Allein für dieses Gefühl haben sich der Weg nach Düsseldorf und die kalten Füße schon gelohnt.

2019-03-10 10.05.15

 

For the record (Spieltag 21)

Als ich diese Woche zum heutigen Spiel gegen Hertha interviewt wurde, wurde mir noch mal bewusst, wie sehr ich tatsächlich diesen Sieg heute und den damit einhergehenden Vereinsrekord will.

Das ist mir schon ein bisschen peinlich, denn als erwachsener, abgeklärter Mensch weiß ich natürlich, dass die meisten „Rekorde“ eher was für TV-Kommentatoren sind, die das nackte Ergebnis gerne in eine schicke Story hüllen möchten. Historisch macht sich da, neben emotional oder rivalisierend, halt immer gut. Aber natürlich kann man sich für so einen Rekord nichts kaufen, auch keinen Fahrschein nach Europa.

Als nicht ganz so erwachsener, irrationaler Fußballfan finde ich unsere Heimserie aber einfach nur geil und möchte natürlich, dass sie so lange wie möglich hält. Alle Heimspiele gewonnen – das ist kurz und bündig, cool und beeindruckend. Das schreibt man sich halt lieber in die Bio als „zu Hause in allen Spielen ungeschlagen, in denen der Wind von Süden kam.“

Also ja, verflixt noch mal, heute will ich nicht nur wie üblich ein gutes Spiel, heute will ich diese drei Punkte, zefix! Muss ja auch mal gesagt werden.

Dumm nur, dass es heute gegen die Hertha geht, an die wir aus der Hinrunde wirklich keine guten Erinnerungen haben. Abergläubisch wie ich bin, lasse ich mich mehr davon beeinflussen als von den aktuellen Formkurven, die uns klar als Favoriten sehen. Und natürlich bin ich fest überzeugt, dass wir genau dann verlieren werden, wenn es gerade um diesen Rekord geht. Irrational, wir sprachen davon.

Netterweise haben mich die Jungs von Hertha BASE mit ihrem Pessimismus und ihrem Hinweis auf eine verblüffende Erfolglosigkeit der Hertha bei uns wieder etwas beruhigt. Nehmen wir die lange Verletztenliste der Berliner und die 120 Minuten Pokal unter der Woche hinzu, stimmt das doch etwas zuversichtlicher. 70 Minuten lang unser Tor dicht halten und in den letzten 20 abkassieren, das klingt nach einer guten Strategie. Und dann könnte es doch was werden mit dem Rekord.

Von dem wir uns natürlich nichts kaufen könnten. Außer 3 weitere Punkte auf dem Weg nach Europa.

 

Geduld und Dusel (Spieltage 18 & 19)

Langsam werde ich misstrauisch: hat das diese Saison System? Einerseits hamstern wir Spieltag für Spieltag unsere Punkte – neuerdings sogar auswärts. Beim Blick auf die Tabelle kann einem schon mal das Herz etwas schneller schlagen (Der Platz! Die Punkte! Die Abstände!). Gleichzeitig spielen wir aber immer auch gerade schwach genug, dass der Punktgewinn irgendwie glücklich erscheint und man sich eben nicht sicher sein kann, dass die Serie hält.

Das Spiel in Leverkusen steht sinnbildlich für diesen Seiltanz. Es besteht kein Zweifel, dass die drei Punkte wirklich glücklich waren. Als ich das Spiel Re-Live sah, war ich geradezu erleichtert, dass unser Spiel nicht so vogelwild war, wie es sich im Radio angehört hatte. Viele Defensivaktionen wirkten klar und konzentriert, das hatte durchaus Struktur, dennoch ist die Expected-Goals-Statistik natürlich ernüchternd. Zum Glück hatte Yann Sommer mal wieder einen Sahnetag, einen von vielen diese Saison. Der vierte Spieler von uns, der 2018/19 den Maximalwert 100 beim SPON-Spielerindex abgeräumt hat. Der einzige Spieler, der in diesem Spiel außer ihm im grünen Bereich landete, war natürlich Pléa, der Torschütze. Hier fasziniert mich (wieder mal), dass sein Tor in der Expected-Goals-Analyse nur unsere viertbeste Chance war (deutlich auf Platz 1: der Kopfball von Nico Elvedi). Aber *natürlich* macht er seine Chance rein.

Dazu noch zwei Fun Facts: 1. Leverkusen hatte unter seinen beeindruckenden 22 Torschüssen gleich 14 mit einem höheren Expected-Goals-Wert als das Tor von Pléa. Und 2. Die (mathematisch) größte Chance des Spiels hatten wir. Besagter Kopfball von Elvedi lag noch mal deutlich oberhalb von dem Leverkusener Pfostenschuss. [Hier bitte angemessene Fußballphrase über die Brauchbarkeit von Statistiken einfügen.]

Aber auch das Augsburg-Spiel schaffte wieder diesen Spagat zwischen Überlegenheit, die dem Fan Sicherheit gibt, und genügend ernüchternden Momenten, dass ich dem Braten eben doch nicht traue.

Ich durfte das Spiel wieder in meiner gewohnten Medienkonstellation genießen: zunächst live am Radio, begleitet von meiner schwarzweißgrünen Twitterblase, und anschließend Re-Live die Bilder zum schon bekannten Ergebnis. Das war diesmal wirklich ein Segen, denn das zähe Geduldspiel, das es wieder einmal war, beschert mir gerne mal das eine oder andere graue Haar. Zwischenzeitlich hatte ich schon wieder Flashbacks aus den vergangenen beiden Saisons und all den Spielen, in denen die Mannschaft vergleichbar in der Betonsuppe stocherte und vergeblich versuchte, eine Lücke und den Weg zum Tor zu finden. Das Ergebnis schon zu kennen, als ich Ballverluste und Augsburger Konter dann in Bildern sah, war Balsam für meine schwachen Nerven.

Auch hier lautet mein Fazit wieder: gut – besonders die erste halbe Stunde sah ich uns klar spielerisch überlegen. Auch gefiel mir erneut die Geduld und Hartnäckigkeit, mit der man es kontinuierlich weiter versuchte und die ja auch wie schon so einige Male hinten raus belohnt wurden. Aber eben auch nicht gut genug – in Halbzeit 2 sah ich genügend Ideenlosigkeit, mangelndes Tempo und unnötige Ballverluste, um auf das Spiel in der kommenden Woche wieder genauso unsicher zu schauen wie bislang auf so ziemlich alle Spiele diese Saison. Und wie gegen Leverkusen kam auch hier wieder eine ordentliche Portion Glück hinzu. Das Tor von Oscar Wendt hätte nicht zählen dürfen, und ähnlich wie Manuel Baum (wenn auch deutlich weniger aufgeregt) bin auch ich mir nicht sicher, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn dieser Dosenöffner nicht gewesen wäre. [Auch hier darf gerne eine angemessene Phrase eingefügt werden – vielleicht was mit Fahrradkette.]

Da steh ich nun also, ich armer Fußball-Tor, und bin genauso schlau, nervös, aber auch aufgekratzt wie zuvor. Ein Fazit muss erneut verschoben werden, die Zuversicht ist immer noch unterproportional, gemessen am Tabellenplatz. Und doch ist er auch cool, dieser Platz 3.

Läuft bei uns. Irgendwie.

Ein subjektiver Blick zurück

Ein subjektiver Blick zurück

Drei Mann sind ein Verein, dreimal sind eine Tradition. So hab ich das gelernt. Also begründe ich dieses Jahr eine Tradition, indem ich zum dritten Mal versuche, meine Gedanken zur Hinrunde zu sammeln und mittels Verschriftlichung etwas Struktur in die gedankliche Loseblattsammlung zu bekommen, die diese Saison immer noch für mich ist.

Dieses Mal möchte ich mich dabei an bestimmten Spielszenen entlang arbeiten, die mir entweder als „magische Momente“ im Gedächtnis haften geblieben sind oder die stellvertretend für bestimmte Themen stehen, die meine Erinnerung an die Hinrunde prägen. „Ein subjektiver Blick zurück“ weiterlesen

Zahlenspielereien

In einem Artikel – ich glaube es war im Spiegel Online – las ich dieser Tage eine gar verblüffende Argumentation, die mich mächtig schmunzeln ließ. Sie ging in etwa so: die Borussia habe (unter anderem) deshalb so eine tolle Heimserie hingelegt, weil die Gegner zu Hause so leichte waren, während die Mannschaft auswärts hingegen schwach und nicht mutig genug aufgetreten sei (der Verweis auf die Stärke der Gegner fehlte hier). Rechne man dies nun auf die Rückrunde hoch, ergebe sich daraus ein Programm mit ungleich schwereren Gegnern zu Hause, gepaart (natürlich) mit der gleichen Auswärtsschwäche, an der man dringend arbeiten müsse.

Ungeachtet dessen, dass man leicht einen Knoten ins Hirn bekommt, wenn man versucht, dieser Logik zu folgen, knüpfte die Argumentation doch an eine Tatsache an – dass nämlich unsere Heimgegner tatsächlich eher vom unteren Ende der Hinrundentabelle kamen, während wir alle Top-Clubs auswärts schon hinter uns haben.

Und weil ich zum einen gerne mit Zahlen spiele und zum anderen selbige gerne in Grafiken darstelle, wollte ich mir doch einmal visualisieren, wie einfach denn nun tatsächlich unsere Heimspiele im Vergleich zu den anderen Clubs der Liga waren.

Ein halbes Dutzend Formeln und Diagramme später kam ich mit dieser Darstellung heraus, die es meiner Ansicht nach ganz hübsch auf den Punkt bringt.

Heimspiele2018Auf der horizontalen Achse sind die Punktzahlen abgetragen, die die Heimgegner am Ende der Hinrunde gesammelt hatten. Wir stehen ganz links, unsere Heimgegner haben es in der Hinrunde im Schnitt auf 18 Punkte gebracht. Man sieht schnell, das ist deutlich unterhalb des Durchschnitts (23,3), wir hatten also tatsächlich die „einfachsten“ Heimspiele. Vergleichbar ist nur noch RB Leipzig, die ähnlich schwache Gegner hatten (19,1 Punkte).

Man könnte also schlussfolgern, dass es wohl keine Kunst war, zu Hause so erfolgreich zu spielen. Man kann natürlich auch schlussfolgern, dass alle diese Gegner mehr Punkte hätten, wenn sie gegen uns was gerissen hätten. Haben sie aber nicht. Oder man kann schlussfolgern, dass wir uns – Stand jetzt – auf außergewöhnlich „einfache“ Auswärtsspiele in der Rückrunde freuen dürfen. Das klingt doch vielversprechend.

Auf der vertikalen Achse sind die Durchschnittspunkte abgetragen, die alle Teams in ihren Heimspielen geholt haben. Wir stehen ganz oben mit der Maximalausbeute von 3 (in Worten: DREI) Punkten pro Heimspiel. Leipzig hat ebenfalls viel herausgeholt mit 2,6 Punkten pro Heimspiel. Bemerkenswert hier ist Dortmund im oberen rechten Quadranten. Ihre Gegner zu Hause waren überdurchschnittlich schwierig, dennoch haben sie mit 2,8 Punkten phänomenal abgeschnitten. Aber nun ja, um herauszufinden, dass Dortmund eine brilliante Hinrunde gespielt hat, braucht es keine Grafik.

Ein bisschen Sorgen bereitet mir der „Club“ in dieser Grafik. Sie hatten das drittleichteste Heimprogramm, mit Stuttgart, Hannover und Düsseldorf hatten sie schon drei direkte Gegner aus der Abstiegszone zu Gast. Daraus die drittschlechteste Punktausbeute zu holen, lässt nichts Gutes erwarten.

Ebenfalls bemerkenswert finde ich auch den VfL Wolfsburg, der das schwierigste Heimprogramm hatte. Die aktuellen Top 4 der Liga waren schon zu Gast. Daraus mit einer knapp durchschnittlichen Heimpunktzahl von 1,3 hervorzugehen, muss man auch erst mal schaffen.

Für die Auswärtsspiele ergibt sich eine leicht, aber nicht ganz spiegelbildliche Grafik, in der man sieht, dass Leipzig und wir uns ähnlich mittelmäßig gegen schwere Auswärtsgegner geschlagen haben, während der FCN das schwerste Programm hatte und entsprechend untergegangen ist. Die beste Bilanz hier hat der FC Bayern. Vermutlich weil er noch nicht auswärts gegen uns ran musste.

Auswärtsspiele2018Das Fazit? Ja, unsere Heimspiele waren leicht in der Hinrunde, aber unsere Bilanz bleibt überragend. Und am Ende der Saison werden wir gegen jedes Team einmal daheim und einmal auswärts gespielt haben. Der Spielplan wird nicht schuld sein, wenn es für Europa nicht reicht.

Plötzlich Prinzessin (Spieltag 17)

Plötzlich Prinzessin (Spieltag 17)

Ich hatte mir letzte Woche vorgenommen, das Spiel heute zu ignorieren, aber ach, man lässt mich nicht. Erster gegen Zweiten, Borussia gegen Borussia, Spitzenspiel, Freitagabend, keine Gegenveranstaltung, Free TV. Mehr Scheinwerfer geht nicht.

Ich merke aber, je mehr Spannung und Vorfreude sich aufbauen in der Twitter-Timeline, desto unruhiger werde ich. Ich fühle mich letzten Endes immer noch ein bisschen wie in einer Romantic Comedy, in der das Aschenputtel aus heiterem Himmel ins Rampenlicht gezerrt wird. Medien und neutrale Beobachter sprechen vom Spitzenspiel, erhoffen sich ein tolles Match und erwarten, dass wir den Dortmundern eine Show liefern. Derweil klappere ich mit den Zähnen, kaue Fingernägel und hoffe, dass wir nicht mit einer Niederlage im Wimbledon-Erstrunden-Format rausgehen.

Zwei Gründe sind vermutlich verantwortlich dafür, dass ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass wir auf Augenhöhe mit dem BVB agieren werden:

Zum einen habe ich, da wir kein Pay-TV mehr haben, in dieser Saison noch kein einziges Spiel des BVB gesehen. Kurze Ausschnitte in der Sportschau, wenn ich dazu kam, waren alles und auch da war ich nicht besonders aufmerksam. Die Mannschaft ist also ein Phantom für mich, eine große Unbekannte, von der ich nur ihre Bilanz auf dem Papier und die ein oder andere schwärmerische Spielanalyse aus Zeitungen und Podcasts kenne. Eine gute Basis, um sie sich zum Angstgegner hochzureden.

Zum anderen traue ich eben auch bei uns dem Braten noch nicht so ganz. Wie zum Teufel sind wir da hingeraten, auf diesen zweiten Tabellenplatz? 33 Punkte nach 16 Spielen – das sind mehr als 2 pro Spiel, wie kommt es, dass ich mich dann an so viele Niederlagen und schlechte Spiele erinnere? Sind wir so gut? Hatten wir Glück? Waren wir souverän? Oder nur endlich mal verletzungsfrei(er)? Nun ja, Letzteres ist ja jetzt auch vorbei, ein Grund mehr, mich wieder dem Pessimismus hinzugeben, den ich diese Saison nicht aus den Knochen zu bekommen scheine.

Für die Weihnachtstage habe ich mir vorgenommen, wieder ein kleines Hinrundenfazit zu schreiben, diesmal in Form meiner persönlichen Highlights – Momente, in denen es mir in dieser Saison richtig gut ging. Ich glaube, das ist genau die richtige Medizin gegen diesen fußballerischen Winterblues.

Ob das heutige Spiel dann auch auf der Highlight-Liste auftauchen wird? Warten wir es ab.