Es bleibt zwiespältig (Spieltage 8 & 9)

„But can they do it on a Friday night in Freiburg?“ Mit dieser Frage brachte es @binger05 im Vollraute-Podcast auf den Punkt. Nachdem das Spiel gegen Mainz unerwartet gut lief, hatte ich mit mir selber eine kleine Abmachung getroffen: in meinem ewigen Mäandern zwischen Optimismus und Miesepetrigkeit würde ich die Bilanz der beiden Spiele gegen Mainz und Freiburg für mich entscheiden lassen, wie ich die weitere Hinrunde angehen würde: hoffnungsvoll und optimistisch, zuversichtlich, dass wir Rückschläge verkraften und Lösungen finden? Oder weiter misstrauisch abwartend, dass das Strohfeuer ausbrennt und wir wieder in der spielerischen Mittelmäßigkeit der beiden vergangenen Saisons versacken? „Es bleibt zwiespältig (Spieltage 8 & 9)“ weiterlesen

Ich wurde befragt

Zum Spieltag gegen Mainz durfte ich der Wortpiratin einige Fragen zum Spiel, zur Borussia und zu meinem Verhältnis zu ihr beantworten. Die Fragen waren sehr spannend und teilweise auch sehr komplex, daher ist es insgesamt ein ziemlich langer Text geworden.

Es war auch für mich persönlich sehr interessant, diese Fragen zu beantworten, da ich einige Dinge zum ersten Mal in dieser Tiefe reflektiert habe. Aus einem Interview mit neuen Erkenntnissen über sich selbst herauszugehen, ist ja auch ein sehr schönes Resultat.

Hier geht’s zum Interview

Jetzt gilt’s (Spieltag 8)

Die Bayern besiegen und so, das ist ja alles schön und gut, aber die nächsten beiden Spiele sind für mich die wahren Bewährungsproben. Von ihnen hängt für mich ab, ob ich die Saison optimistisch oder weiter pessimistisch angehe. Das erste dieser beiden Spiele steht heute an.

Mainz ist immer so ein Gegner, auf den ich mich nicht besonders freue. In meiner Erinnerung verdichten sich die Spiele gegen Mainz zu einem langen endlosen Krampf, in dem wir offensiv verzweifelt versuchen, eine Lücke zu finden, durch die hindurch wir vielleicht endlich mal den Ball und mindestens einen Spieler nach vorne schieben können, und gleichzeitig defensiv nicht in der Lage sind, uns gegen das aggressive Anlaufen der Gegenspieler zu wehren, die uns ständig den Ball vom Fuß klauen.

Das geradezu ikonische Bild, in dem Oscar Wendt mal wieder keine freie Anspielstation findet und den Ball zum zigsten Mal zurück Richtung Strafraum spielt, es trägt, wenn man genau hinschaut, die Bildunterschrift ‚Mönchengladbach – Mainz‘.

Das ist das Spiel, das ich gerne abgestellt sehen möchte.

Das konsequente, aggressive und sehr effiziente Verteidigen, das Mainz gerade diese Saison so gut beherrscht, ist in meiner Wahrnehmung der Fußball, den momentan die meisten Bundesliga-Mannschaften anstreben, und es macht mich kirre, dass wir dagegen noch kein tragfähiges Rezept gefunden haben.

Aber diese Saison ist ja vieles anders und gerade im letzten Spiel wurde noch mal auf ganz verblüffende Weise demonstriert, dass Hecking und die Mannschaft Gegner und Fans überraschen können. Ich bin also gespannt, ob wir heute wieder Unerwartetes zu sehen bekommen.

Oops (Spieltag 7)

Waren die Bayern so schlecht oder waren wir so gut? Dies schien nach dem Spiel wie auch nach dem Spieltag die zentrale Frage. Ich hatte nicht die Möglichkeit, viele neutrale Berichte zu konsumieren und habe daher bis jetzt keine für mich befriedigende Antwort gefunden.

Das Fazit im Sportstudio war klar: die Bayern waren offensichtlich so schlecht, dass sie an diesem Tag jedes Team geschlagen hätte. Viel Tamtam um die (ja, wirklich haarsträubenden) Fehler der Bayern, die Leistung der Gladbacher schien keine gesonderte Analyse wert. Das ärgerte mich nicht nur aufgrund der üblichen Fan-Eitelkeit, die gerne eine entsprechende Würdigung dieses Erfolgs gesehen hätte, sondern auch, weil ich gern verstanden hätte, was wir in diesem Spiel richtig gemacht haben. Denn das zu verstehen bedeutet, einschätzen zu können, ob man auf diesen Erfolg etwas bauen kann, mehr daraus mitnehmen kann als ein gutes Gefühl und eine Streicheleinheit fürs Ego (und eine Menge überflüssigen Hype in gewissen Medien). „Oops (Spieltag 7)“ weiterlesen

Außer Konkurrenz (Spieltag 7)

Ich bin vermutlich nicht die Einzige, für die das Spiel gegen die Bayern die Attraktivität eines Zahnarztbesuchs hat (an dieser Stelle eine Entschuldigung an meine ganz wunderbar liebenswürdige Zahnärztin). Das Gefühl, dass man sich in München die alljährliche Klatsche abholen darf, dämpft die Freude auf den Spieltag doch gewaltig.

Mit ein wenig Nachdenken und Blättern in den Ergebnissen vergangener Jahre wird mir klar, dass diese Miesepeterei eigentlich unbegründet ist, denn unsere Bilanz gegen die Bayern sieht gar nicht so schlecht aus. Seit 2011 haben wir 18 Punkte gegen die Bayern geholt – so viele wie keine andere Mannschaft in dieser Zeit – und die Bayern nur 21 gegen uns. Theoretisch ist also alles offen.

Und doch: heute hab ich keine Lust. Also grabe ich tiefer auf der Suche danach, was mir die Freude an diesem Spiel nimmt. Und ich denke, es ist wohl die Tatsache, dass ich dieses Spiel schon vor Jahren aus meinem mentalen Saisonkalender gestrichen habe. Das Bayern-Spiel läuft einfach außer Konkurrenz, wohl auch weil die Bayern außer Konkurrenz laufen. Die Liga ist für die Bayern irrelevant und die Bayern sind für mich irrelevant.

Für mich fühlt es sich an, als beginne die Länderspielpause schon heute. Mit einem Freundschaftskick, dessen Ausgang mir egal ist, ein Muster ohne Wert. Nations League in der Allianz-Arena. Es wird also eher entspannt für meinen Puls heute. Hoffentlich wird es wenigstens ein schöner Kick.