Geduld und Dusel (Spieltage 18 & 19)

Langsam werde ich misstrauisch: hat das diese Saison System? Einerseits hamstern wir Spieltag für Spieltag unsere Punkte – neuerdings sogar auswärts. Beim Blick auf die Tabelle kann einem schon mal das Herz etwas schneller schlagen (Der Platz! Die Punkte! Die Abstände!). Gleichzeitig spielen wir aber immer auch gerade schwach genug, dass der Punktgewinn irgendwie glücklich erscheint und man sich eben nicht sicher sein kann, dass die Serie hält.

Das Spiel in Leverkusen steht sinnbildlich für diesen Seiltanz. Es besteht kein Zweifel, dass die drei Punkte wirklich glücklich waren. Als ich das Spiel Re-Live sah, war ich geradezu erleichtert, dass unser Spiel nicht so vogelwild war, wie es sich im Radio angehört hatte. Viele Defensivaktionen wirkten klar und konzentriert, das hatte durchaus Struktur, dennoch ist die Expected-Goals-Statistik natürlich ernüchternd. Zum Glück hatte Yann Sommer mal wieder einen Sahnetag, einen von vielen diese Saison. Der vierte Spieler von uns, der 2018/19 den Maximalwert 100 beim SPON-Spielerindex abgeräumt hat. Der einzige Spieler, der in diesem Spiel außer ihm im grünen Bereich landete, war natürlich Pléa, der Torschütze. Hier fasziniert mich (wieder mal), dass sein Tor in der Expected-Goals-Analyse nur unsere viertbeste Chance war (deutlich auf Platz 1: der Kopfball von Nico Elvedi). Aber *natürlich* macht er seine Chance rein.

Dazu noch zwei Fun Facts: 1. Leverkusen hatte unter seinen beeindruckenden 22 Torschüssen gleich 14 mit einem höheren Expected-Goals-Wert als das Tor von Pléa. Und 2. Die (mathematisch) größte Chance des Spiels hatten wir. Besagter Kopfball von Elvedi lag noch mal deutlich oberhalb von dem Leverkusener Pfostenschuss. [Hier bitte angemessene Fußballphrase über die Brauchbarkeit von Statistiken einfügen.]

Aber auch das Augsburg-Spiel schaffte wieder diesen Spagat zwischen Überlegenheit, die dem Fan Sicherheit gibt, und genügend ernüchternden Momenten, dass ich dem Braten eben doch nicht traue.

Ich durfte das Spiel wieder in meiner gewohnten Medienkonstellation genießen: zunächst live am Radio, begleitet von meiner schwarzweißgrünen Twitterblase, und anschließend Re-Live die Bilder zum schon bekannten Ergebnis. Das war diesmal wirklich ein Segen, denn das zähe Geduldspiel, das es wieder einmal war, beschert mir gerne mal das eine oder andere graue Haar. Zwischenzeitlich hatte ich schon wieder Flashbacks aus den vergangenen beiden Saisons und all den Spielen, in denen die Mannschaft vergleichbar in der Betonsuppe stocherte und vergeblich versuchte, eine Lücke und den Weg zum Tor zu finden. Das Ergebnis schon zu kennen, als ich Ballverluste und Augsburger Konter dann in Bildern sah, war Balsam für meine schwachen Nerven.

Auch hier lautet mein Fazit wieder: gut – besonders die erste halbe Stunde sah ich uns klar spielerisch überlegen. Auch gefiel mir erneut die Geduld und Hartnäckigkeit, mit der man es kontinuierlich weiter versuchte und die ja auch wie schon so einige Male hinten raus belohnt wurden. Aber eben auch nicht gut genug – in Halbzeit 2 sah ich genügend Ideenlosigkeit, mangelndes Tempo und unnötige Ballverluste, um auf das Spiel in der kommenden Woche wieder genauso unsicher zu schauen wie bislang auf so ziemlich alle Spiele diese Saison. Und wie gegen Leverkusen kam auch hier wieder eine ordentliche Portion Glück hinzu. Das Tor von Oscar Wendt hätte nicht zählen dürfen, und ähnlich wie Manuel Baum (wenn auch deutlich weniger aufgeregt) bin auch ich mir nicht sicher, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn dieser Dosenöffner nicht gewesen wäre. [Auch hier darf gerne eine angemessene Phrase eingefügt werden – vielleicht was mit Fahrradkette.]

Da steh ich nun also, ich armer Fußball-Tor, und bin genauso schlau, nervös, aber auch aufgekratzt wie zuvor. Ein Fazit muss erneut verschoben werden, die Zuversicht ist immer noch unterproportional, gemessen am Tabellenplatz. Und doch ist er auch cool, dieser Platz 3.

Läuft bei uns. Irgendwie.