Im Blindflug (Spieltag 22-25)

Man könnte denken, ich meine die Mannschaft mit dem Titel dieses Posts, aber keine Sorge, so vergrätzt bin ich noch nicht. Im Blindflug war ich diesmal selber unterwegs.

Über die Spieltage 22-24 deckt sich der Mantel des Schweigens in diesem Saisontagebuch, weil ich nichts dazu zu sagen hatte. Das hat nur bedingt etwas mit der Leistung und den Ergebnissen zu tun, sondern hauptsächlich damit, dass ich keines dieser Spiele gesehen oder auch nur gehört habe. Wie es manchmal so geht im Leben, taucht plötzlich eine Umleitung auf und man bewegt sich für ein paar Wochen auf einer anderen Fahrspur, die nichts mit Fußball zu tun hat.

Und eh man sich versieht, hat man drei ganze Spieltage verpasst. Nun ja, normalerweise hätte ich die Spiele zu irgendeinem Zeitpunkt im Re-Live angeschaut. Dass ich das diesmal nicht getan habe, ist wiederum tatsächlich der Leistung und den Ergebnissen geschuldet. So viel Erfolgsfan bin ich dann doch, dass ich nicht das Bedürfnis verspüre, mir ein 0:5 zwecks Fehleranalyse re-live anzusehen.

Das Spiel in Mainz habe ich dann wieder am Radio verfolgt, was man meinen Fingernägeln immer noch ansieht. Das Anschauen hole ich irgendwann noch mal nach, aber jetzt will ich erst mal wieder ins Stadion. So viel Beunruhigendes habe ich in den letzten Wochen gelesen und gehört über unsere Leistung, dass ich unbedingt mal wieder mit eigenen Augen und vor Ort sehen möchte, wie wir spielen und was nicht läuft.

Wie glücklich trifft es sich da, dass heute zwei Dauerkarten eines Bekannten in meinem Lieblingsblock frei wurden. Unterrang, Gegengerade, freie Sicht und Flutlicht, das ist es, was ich jetzt brauche. Per Überblick zum Durchblick. 3 Insights für mich, 3 Punkte für die Borussia, das wäre doch was.

Geduld und Dusel (Spieltage 18 & 19)

Langsam werde ich misstrauisch: hat das diese Saison System? Einerseits hamstern wir Spieltag für Spieltag unsere Punkte – neuerdings sogar auswärts. Beim Blick auf die Tabelle kann einem schon mal das Herz etwas schneller schlagen (Der Platz! Die Punkte! Die Abstände!). Gleichzeitig spielen wir aber immer auch gerade schwach genug, dass der Punktgewinn irgendwie glücklich erscheint und man sich eben nicht sicher sein kann, dass die Serie hält.

Das Spiel in Leverkusen steht sinnbildlich für diesen Seiltanz. Es besteht kein Zweifel, dass die drei Punkte wirklich glücklich waren. Als ich das Spiel Re-Live sah, war ich geradezu erleichtert, dass unser Spiel nicht so vogelwild war, wie es sich im Radio angehört hatte. Viele Defensivaktionen wirkten klar und konzentriert, das hatte durchaus Struktur, dennoch ist die Expected-Goals-Statistik natürlich ernüchternd. Zum Glück hatte Yann Sommer mal wieder einen Sahnetag, einen von vielen diese Saison. Der vierte Spieler von uns, der 2018/19 den Maximalwert 100 beim SPON-Spielerindex abgeräumt hat. Der einzige Spieler, der in diesem Spiel außer ihm im grünen Bereich landete, war natürlich Pléa, der Torschütze. Hier fasziniert mich (wieder mal), dass sein Tor in der Expected-Goals-Analyse nur unsere viertbeste Chance war (deutlich auf Platz 1: der Kopfball von Nico Elvedi). Aber *natürlich* macht er seine Chance rein.

Dazu noch zwei Fun Facts: 1. Leverkusen hatte unter seinen beeindruckenden 22 Torschüssen gleich 14 mit einem höheren Expected-Goals-Wert als das Tor von Pléa. Und 2. Die (mathematisch) größte Chance des Spiels hatten wir. Besagter Kopfball von Elvedi lag noch mal deutlich oberhalb von dem Leverkusener Pfostenschuss. [Hier bitte angemessene Fußballphrase über die Brauchbarkeit von Statistiken einfügen.]

Aber auch das Augsburg-Spiel schaffte wieder diesen Spagat zwischen Überlegenheit, die dem Fan Sicherheit gibt, und genügend ernüchternden Momenten, dass ich dem Braten eben doch nicht traue.

Ich durfte das Spiel wieder in meiner gewohnten Medienkonstellation genießen: zunächst live am Radio, begleitet von meiner schwarzweißgrünen Twitterblase, und anschließend Re-Live die Bilder zum schon bekannten Ergebnis. Das war diesmal wirklich ein Segen, denn das zähe Geduldspiel, das es wieder einmal war, beschert mir gerne mal das eine oder andere graue Haar. Zwischenzeitlich hatte ich schon wieder Flashbacks aus den vergangenen beiden Saisons und all den Spielen, in denen die Mannschaft vergleichbar in der Betonsuppe stocherte und vergeblich versuchte, eine Lücke und den Weg zum Tor zu finden. Das Ergebnis schon zu kennen, als ich Ballverluste und Augsburger Konter dann in Bildern sah, war Balsam für meine schwachen Nerven.

Auch hier lautet mein Fazit wieder: gut – besonders die erste halbe Stunde sah ich uns klar spielerisch überlegen. Auch gefiel mir erneut die Geduld und Hartnäckigkeit, mit der man es kontinuierlich weiter versuchte und die ja auch wie schon so einige Male hinten raus belohnt wurden. Aber eben auch nicht gut genug – in Halbzeit 2 sah ich genügend Ideenlosigkeit, mangelndes Tempo und unnötige Ballverluste, um auf das Spiel in der kommenden Woche wieder genauso unsicher zu schauen wie bislang auf so ziemlich alle Spiele diese Saison. Und wie gegen Leverkusen kam auch hier wieder eine ordentliche Portion Glück hinzu. Das Tor von Oscar Wendt hätte nicht zählen dürfen, und ähnlich wie Manuel Baum (wenn auch deutlich weniger aufgeregt) bin auch ich mir nicht sicher, wie das Spiel ausgegangen wäre, wenn dieser Dosenöffner nicht gewesen wäre. [Auch hier darf gerne eine angemessene Phrase eingefügt werden – vielleicht was mit Fahrradkette.]

Da steh ich nun also, ich armer Fußball-Tor, und bin genauso schlau, nervös, aber auch aufgekratzt wie zuvor. Ein Fazit muss erneut verschoben werden, die Zuversicht ist immer noch unterproportional, gemessen am Tabellenplatz. Und doch ist er auch cool, dieser Platz 3.

Läuft bei uns. Irgendwie.

Ein subjektiver Blick zurück

Ein subjektiver Blick zurück

Drei Mann sind ein Verein, dreimal sind eine Tradition. So hab ich das gelernt. Also begründe ich dieses Jahr eine Tradition, indem ich zum dritten Mal versuche, meine Gedanken zur Hinrunde zu sammeln und mittels Verschriftlichung etwas Struktur in die gedankliche Loseblattsammlung zu bekommen, die diese Saison immer noch für mich ist.

Dieses Mal möchte ich mich dabei an bestimmten Spielszenen entlang arbeiten, die mir entweder als „magische Momente“ im Gedächtnis haften geblieben sind oder die stellvertretend für bestimmte Themen stehen, die meine Erinnerung an die Hinrunde prägen. „Ein subjektiver Blick zurück“ weiterlesen

Plötzlich Prinzessin (Spieltag 17)

Plötzlich Prinzessin (Spieltag 17)

Ich hatte mir letzte Woche vorgenommen, das Spiel heute zu ignorieren, aber ach, man lässt mich nicht. Erster gegen Zweiten, Borussia gegen Borussia, Spitzenspiel, Freitagabend, keine Gegenveranstaltung, Free TV. Mehr Scheinwerfer geht nicht.

Ich merke aber, je mehr Spannung und Vorfreude sich aufbauen in der Twitter-Timeline, desto unruhiger werde ich. Ich fühle mich letzten Endes immer noch ein bisschen wie in einer Romantic Comedy, in der das Aschenputtel aus heiterem Himmel ins Rampenlicht gezerrt wird. Medien und neutrale Beobachter sprechen vom Spitzenspiel, erhoffen sich ein tolles Match und erwarten, dass wir den Dortmundern eine Show liefern. Derweil klappere ich mit den Zähnen, kaue Fingernägel und hoffe, dass wir nicht mit einer Niederlage im Wimbledon-Erstrunden-Format rausgehen.

Zwei Gründe sind vermutlich verantwortlich dafür, dass ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass wir auf Augenhöhe mit dem BVB agieren werden:

Zum einen habe ich, da wir kein Pay-TV mehr haben, in dieser Saison noch kein einziges Spiel des BVB gesehen. Kurze Ausschnitte in der Sportschau, wenn ich dazu kam, waren alles und auch da war ich nicht besonders aufmerksam. Die Mannschaft ist also ein Phantom für mich, eine große Unbekannte, von der ich nur ihre Bilanz auf dem Papier und die ein oder andere schwärmerische Spielanalyse aus Zeitungen und Podcasts kenne. Eine gute Basis, um sie sich zum Angstgegner hochzureden.

Zum anderen traue ich eben auch bei uns dem Braten noch nicht so ganz. Wie zum Teufel sind wir da hingeraten, auf diesen zweiten Tabellenplatz? 33 Punkte nach 16 Spielen – das sind mehr als 2 pro Spiel, wie kommt es, dass ich mich dann an so viele Niederlagen und schlechte Spiele erinnere? Sind wir so gut? Hatten wir Glück? Waren wir souverän? Oder nur endlich mal verletzungsfrei(er)? Nun ja, Letzteres ist ja jetzt auch vorbei, ein Grund mehr, mich wieder dem Pessimismus hinzugeben, den ich diese Saison nicht aus den Knochen zu bekommen scheine.

Für die Weihnachtstage habe ich mir vorgenommen, wieder ein kleines Hinrundenfazit zu schreiben, diesmal in Form meiner persönlichen Highlights – Momente, in denen es mir in dieser Saison richtig gut ging. Ich glaube, das ist genau die richtige Medizin gegen diesen fußballerischen Winterblues.

Ob das heutige Spiel dann auch auf der Highlight-Liste auftauchen wird? Warten wir es ab.

 

Autsch! (Spieltag 15)

Der Fußballgott hat uns einen Punkt geschenkt und dafür zwei Verletzungsopfer gefordert. Das war es natürlich nicht wert, aber eine der Eigenschaften, die Götter kennzeichnen, ist eben, dass sie uns nicht fragen, was wir wollen.

Da stehen wir jetzt also, mit einer doch wieder beachtlichen Verletztenliste und müssen schauen, dass wir uns erstmal in die Winterpause retten. Mein eigenes leise formuliertes Ziel für die letzten drei Spiele waren vier Punkte. Einen davon haben wir – ich werde heute drei Kerzen anzünden, um das zu feiern. Die anderen drei müssen also am Dienstag her, denn auf einen Punkt in Dortmund setzt wohl keiner, der einen klaren Verstand und ein gutes Gedächtnis hat „Autsch! (Spieltag 15)“ weiterlesen

Eine Frage der Perspektive (Spieltag 14)

Eine Frage der Perspektive (Spieltag 14)

Ich schätze, für mich besteht der Unterschied zwischen dem Düsseldorf- und dem Stuttgart-Spiel wohl nur in meiner persönlichen Nutzungssituation. Gegen die Fortuna hatte ich – wörtlich wie bildlich zähneklappernd – auf der Tribüne gesessen und vor mich hingeknüttert angesichts des zähen Spiels und des schwer zu bespielenden Gegners. Das hängt einerseits damit zusammen, dass ich im Stadion noch einmal klarer erkenne, was alles nicht funktioniert, aber auch damit, dass ich mit dem Livebild vor Augen nervöser bin und mich mehr vor dem einen schnellen Konter, der einen gelungenen Standardsituation fürchte. Zuschauertyp „Schisser“. „Eine Frage der Perspektive (Spieltag 14)“ weiterlesen

Endlich zufrieden (Spieltag 12)

Das nächste Heimspiel und gleich wieder hatte ich die Möglichkeit, das Spiel im Stadion anzuschauen. Was ein Glück. So konnte ich mich aus der gewohnten Perspektive auf der Osttribüne weiter mit der Frage beschäftigen, wo wir denn nun aktuell stehen und wie gut wir spielen. Und nachdem meine regelmäßigen Einträge ins Saisontagebuch zuletzt schon ins Miesepetrige abzudriften drohten, kann ich nun endlich mal sagen, dass ich aus vollem Herzen zufrieden bin mit diesem Spiel. „Endlich zufrieden (Spieltag 12)“ weiterlesen