Alles begann mit Twitter.

Ich kam wegen der News und blieb wegen der Leute. Über Vereins-, Liga- und Podcastupdates, die ich ursprünglich auf Twitter suchte, fand ich andere Fans, erst meines eigenen Vereins, dann mehr und mehr auch anderer Vereine, die Lust hatten, nicht nur, aber auch über Fußball zu reden. Und zwar meist außerhalb des Stammtisch- und Doppelpassvokabulars, in einer Tiefe und Differenziertheit, wie ich sie vorher nur selten erlebt hatte – und vor allem nie zuvor in dieser interaktiven Form. Menschen, die Meinungen nicht nur haben und äußern, sondern auch erläutern und begründen. Und die mich mit dieser Gesprächskultur dazu brachten, auch meine Gedanken zu formulieren und meine Ansichten zu präzisieren und zu begründen.

Twitter, das Medium mit 140 Zeichen, ist dafür einerseits ganz wunderbar geeignet, denn es zwingt zur Präzision und Zuspitzung und verhindert (meist) zielloses Geschwafel. Andererseits ist es natürlich auch ein ganz ungeeignetes Medium, denn wenn man sich einem vielschichtigen und komplexen Thema widmen möchte, braucht man doch deutlich mehr Raum, um Facetten zu beleuchten und jedes Pro und Contra abzuwägen, wie ich es eben gerne tue.

Und so war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis ich mich auf die Suche machte nach einer Möglichkeit, die Gedanken, die in meinem Kopf kreisen und die häufig von intensiven Debatten auf Twitter befeuert werden, aufzuschreiben. Häufig mit der Motivation, sie erst mal aus meinem Kopf heraus zu haben, damit sie mich nicht mehr belästigen, und meist mit dem Ziel, sie zu sortieren und so lange hin und her zu schieben, bis das Muster erkennbar ist und mir wahlweise das größere Bild, die Kernidee, die Metaebene oder auch mal meine eigene Meinung zum Thema erkennbar wird.

In diesem Sinne und mit dieser Absicht ist dies ein sehr persönlicher ‚Notiz-Blog‘, den ich für mich selber eingerichtet habe und der nur deshalb öffentlich ist, weil es doch immer wieder Leser gibt, denen die gleichen wirren Gedanken durch den Kopf jagen und die mir gerne dabei zusehen, wie ich die meinen formuliere. Ich freue mich sehr über diese Leser, sie geben mir schließlich das Gefühl, nicht ganz so ein Nerd zu sein. Oder wenigstens nicht der einzige.

In den meisten Fällen ist meine Perspektive subjektiv und emotional, und das ist auch die Absicht. Ich bin keine Fußballfachfrau, kenne keine Vereinsinterna, habe selten den Überblick über alle Fakten und alles, was geschrieben wird, und ich bewege mich bezüglich der Fan’szene‘ in zwei sehr gegensätzlichen Filterblasen, nämlich dem dörflichen Stammtisch und meiner Twitter-Timeline. Von allem also immer nur ein bisschen Ahnung, aber ganz viel Meinung.

Und darum gebe ich keine Taktik- oder Transfertipps, maße mir kein Urteil an, ob der Trainer oder der neue Stürmer der Richtige für uns ist und habe auch keine Einschätzungen über ‚die Stimmung‘ bei ‚den Fans‘. Es gibt andere Blogs und Experten, die das großartig können, ich lese und höre lieber, was diese zu sagen haben, und freue mich über die vielseitigen Diskussionen, die da geführt werden. Hier halte ich lediglich fest, wie ich persönlich mich zu einem Thema verhalte und zwar immer genau dann, wenn ich merke, es ist mir so wichtig, dass es mich nicht los lässt, und es ist so komplex, dass es nicht in maximal 3×140 Zeichen passt.